Auf einer nahezu ebenso großen Fläche im Nachbargehege leben zum Erstaunen der Trainer gleich 50 Hunde zusammen. Im Gegensatz zu den Dingos sind die türkisch-iranischen Herdenschutzhunde auf Grund ihrer großen Sozialverträglichkeit fähig in großen Rudeln zu leben.
Das Erscheinen der Besucher bringt Leben in die Gruppe. Zwar erheben sich die wenigsten bei den Temperaturen von ihren Plätzen. Doch da einer aus dem Rudel die Besucher angemeldet hat, stimmen nahezu alle 50 Kollegen in ein ohrenbetäubendes Chorbellen ein. Dabei verschwenden einige nicht einmal einen Blick Richtung Tor.
Die erstaunliche hohe soziale Toleranz dieser Tiere sei auch Ausdruck der Entfernung, die diese immer noch wild lebenden Hunde schon von ihrem Ursprung, den scheuen Wölfen, Kojoten oder Schakalen haben, erklärt Dirk Roos seinen Besuchern.


Die Hundefreunde bekommen vom scheuen Schakal über Dingos bis hin zu saudiarabisch-äthiopischen Hunden oder Marderhunden mehrere Wildhunderudel zu sehen, die in großen oder auch kleinen - je nach Verträglichkeit - Sozialverbänden zusammenleben. Das ist Sozialverhalten pur, das sich in den Rudeln abspielt. Vor allem, wenn man das Glück hat, das Spiel der gerade vier Monate alten Dingo-Welpen zu sehen oder eine Fütterung im Wolfswinkel zu beobachten. Denn die Hunde sind zwar zum Teil an Menschen gewöhnt. Doch sie leben in den großen Gehegen sich selbst überlassen - sieht man einmal von den Fütterungen ab. Und von der tierärtzlichen Versorgung, wenn es einem Tier einmal wirklich schlecht gehen sollte.
Und so ist an den Wildhunden von Wolfslfswinkel noch viel vom ursprünglichen „Instiktinventar" - wie Trumler es nannte - erhalten. Um den Haushund zu verstehen, sei es unbedingt notwendig, dieses Inventar zu studieren und aufzuschlüsseln, war sein Forschungsansatz.
Und so beobachten die Besucher aus dem Münsterland gespannt, wie der Chef der Australischen Bergdingos ganz selbstverständlich das schattigste und kühlste Plätzchen an diesem heißen Tag im Gehege für sich beansprucht oder dass er es ist, der den zweibeinigen Besuch taxiert und seinem Rudel dann erlaubt, Kontakt aufzunehmen. Es ist ein kleines Rudel, fünf Rüden und eine Hündin gehören hier zusammen. Dingos sind für die Forscher von besonderem Interesse. Denn Dingos sind verwilderte Haushunde, deren Ahnen direkt aus der Steinzeit stammen. „Seit rund 6000 Jahren leben dieses Haustiere verwildert", lassen sich die Trainer von Hund und Kult erklären.
Besucher sind im Wolfswinkel stets willkommen. Dort holten sich durch lange Studien bekannte Hundeforscher wie Günter Bloch ihr Rüstzeug als Hundetrainer. Denn dort kann man lernen, wie Hunde kommunizieren. „Kommunikation ist die Grundvoraussetzung, um in Sozialverbänden zusammenleben zu können", erklärt Dr. Dirk Roos auch den Ahlener Hundefreunden.
Die Führungen durch die Eberhard-Trumler-Station sind kostenlos. Allerdings sind Erika Trumler und ihre Mitstreiter für Spenden dankbar. In der Regel finden die Führungen am Wochenende statt. Für Schulklassen werden aber auch Termine in der Woche vereinbart.
Das Gästebuch der Trumler-Station wird an diesem Tag um einen Eintrag reicher. Fritz-Ulrich Kewer fasst zusammen, was ihn und seine Teamkollegen bewegt: „Es ist schön, dass es Menschen gibt, denen unsere treuen Freunde so am Herzen liegen."
Unscheinbar ragt ein graues Dach durch die Bäume am Hang. Im Wolfswinkel bei Wissen wird seit vielen Jahren Haustierforschung betrieben.
Erika Trumler (l.) führt seit dem Tod ihres Mannes Eberhard die Forschungsstation im Sinne ihres Mannes weiter. HuK-Vorsitzende Silke Klose (m.) kennt Erika Trumler seit vielen Jahren und stattet mit ihrem Trainerteam der Station wiederholt Besuche ab.
Gilla Völker schließt "Freundschaft" mit zwei Dingos. Dr. Dirk Roos (rechtes Foto) vermittelte den Trainern Helga Thier und Gilla Völker Einblicke in die Entwicklunsgeschichte unserer Haushunde.
Das Spiel der Dingo-Welpen verrät viel über natürliche Erziehungsmethoden.
Die türkisch-iranischen Hütehunde leben wild im Wolfswinkel. Sie verfügen über eine große soziale Toleranz....
... doch wie in jeder Familie sagen sich auch diese Hunde ab und zu die Meinung.
Die Drohgebärde, die dieser Paria-Hund (einer von einem nur vier Hunde großen Rudel) hier zeigt, ist da aber schon wesentlich ernster zu nehmen.
Nadine Lunau macht hier Bekanntschaft mit den spitzen Zähnen eines Marderhundes, der sich neben einer Banane auch den Daumen der Ahlenerin sichern wollte. Die kleinen Tiere sehen niedlich aus, sind aber nicht ohne.
Die vielen Zweibeiner in seinem Gehege bereiteten dem diesem Schabracken-Schakal sichtbares Unbehagen. Ohrenspiel und das Lecken über den Fang kam den Trainern aus ihrer Arbeit mit den Haushunden bekannt vor.

HuK-Trainerteam auf den Spuren
unser Haushund-Ahnen


von Annette Metz
Ahlen/Birken-Honigsessen. Schon von der schmalen Straße, die sich durch den Westerwald in der Nähe von Wissen schlängelt, fällt der Blick der acht-köpfigen Hund-und-Kult-Trainer-Gruppe aus Ahlen auf ein Gelände, das sich an den Hang schmiegt. Ein graues Dach ragt zwischen den Bäumen hervor. Sonst ist nicht viel zu erkennen. Bäume, Sträucher, einige Holzzäune. Zu sehen ist nicht viel, dafür aber um so mehr zu hören. Denn plötzlich hebt ein unheimliches, ohrenbetäubendes und zugleich beeindruckenes Gehäul an, vermischt mit rauem Bellen aus zig Hundekehlen. Ja, hier ist die Gruppe richtig. Das Team des Ahlener Vereins Hund und Kult Ahlen e.V. hat sich zu einem Besuch in einer der renomiertesten kynologischen Forschungsstationen Deutschlands angemeldet: in der Eberhard-Trumler-Station.
Oben in der Station werden die Ahlener schon von Erika Trumler erwartet. Sie leitet seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 1991 die Station, auf der unter ihrer Leitung und in Zusammenarbeit mit leitenden Zoologen die Arbeit ihres Mannes fortgesetzt wird. Eberhard Trumler, Schüler von Konrad Lorenz und mit diesem gemeinsam einer der Gründer der „Gesellschaft für Haustierforschung" hatte 1979 im Westerwald die „Haustierbiologische Station Wolfswinkel" gegründet, die nach seinem Tod in Eberhard-Trumler-Station umbenannt wurde.
Seit vielen Jahren schon hält Hund-und-Kult-Vorsitzende Silke Klose Kontakt zu Erika Trumler. Die Ahlenerin nahm vor vielen Jahren selbst an Seminaren und Workshops teil, die Eberhard Trumler in Wolfswinkel abhielt. Von Zeit zu Zeit macht sie sich mit ihren Trainern auf den Weg in den Westerwald. In der Führung, die die Gruppe mit Dr. Dirk Roos durch das Gelände unternimmt, besteht die Gelegenheit, Basiswissen aufzufrischen, sich mit den Grundlagen der Arbeit mit den Haushunden zu beschäftigen. Denn in der Eberhard-Trumler-Station werden nach wie vor Studien an den Vorfahren unserer Haustiere betrieben. Nein, Wölfe gibt es dort nicht mehr. Und auch, wenn die Station Wolfswinkel heißt, so hat das weniger mit den Tieren als mit einer ursprünglichen Flurbezeichnung zu tun. Doch weit entfernt vom Wolf sind die Tiere, die dort in kleinen oder auch größeren Rudeln leben nicht.
Für Petra Wolf und ihre Kollegen war es ein beeindruckender Besuch in einer der renomiertesten kynologischen Forschungsstationen Deutschlands.